Resilienz – einfach erklärt

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Resilienz bedeutet Widerstandskraft, Flexibilität. Resilienz beschreibt, wieviel Elastizität vorhanden ist gegenüber jeder Form von Druck.

Im Alltag treffen wir ständig auf Resilienz: wenn wir das Geschirr abwaschen, benötigt ein edles Rotweinglas eindeutig mehr Aufmerksamkeit als ein kräftiger Bierhumpen. Die Resilienz gegenüber Bruch ist beim Bierglas grösser. Dieses kann man auch mal kräftig auf dem Tisch absetzen, ohne dass es in Einzelteile zerfällt.

Beim Spaziergang entdecken wir einen wundervoll gewachsenen, riesigen Baum, der fest verwurzelt in der Erde steht. Seine Resilienz gegenüber Winden ist grösser als die des Baumes daneben, der vom letzten Sturm geknickt daneben liegt. Und offenbar hat Ersterer auch eine hinreichende Resilienz gegenüber Frost, Dürre und feuchten Perioden, sonst hätte er die Jahrzehnte nicht überlebt, in denen er zu diesem tollen Baum gewachsen ist.

Foto: Andre Jacomet

Foto: Andre Jacomet

Bei Menschen und im Zusammenhang mit Trauma wird in letzter Zeit viel von Resilienz gesprochen und der Begriff zu einem Fachbegriff erhoben, was mir unnötig und hinderlich erscheint. Resilienz in Bezug auf Trauma bedeutet schlicht, ob ein Ereignis oder eine Serie von Ereignissen hinreichend verarbeitet werden kann. Liegt das Ereignis ausserhalb der Möglichkeiten (Peter Levine spricht hier von „zu viel, zu schnell, zu plötzlich“), bricht etwas im Nervensystem, gerade so, wie ein Ast von einem Baum abbricht oder der Stiel des Weinglases beim Abwasch nachgibt.

Resilienz ist vollkommen individuell. Wie bei Gläsern gibt es Menschen vom Typ ‚zartes Rotweinglas‘ und andere vom Typ ‚herzhafter Bierhumpen‘. Auch haben Menschen, mehr noch als Trinkgläser, eine individuelle Vorgeschichte, vielleicht schon das Eine oder Andere erlebt, was zu einem Riss oder Kratzer geführt hat, wo dann eben die Resilienz geschwächt ist.

Wie Achilles haben wir alle eine besonders verletzliche Stelle, ob sie nun an der Ferse sitzt oder anderswo. Das verbindet uns im Thema Trauma, das uns gemeinsam ist – und doch vollkommen individuell.

 

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